20. April 2026 | Running-News

Paralympics-Siegerin Tigist Gezahagn bricht Streckenrekord beim Wien Marathon

Tigist Gezahagn hat den Vienna City Marathon mit einem Streckenrekord und einer persönlichen Bestleitung von 2:20:06 Stunden gewonnen. Dies ist eine besonders erstaunliche Leistung der 26-jährigen Äthiopierin, da sie sehbehindert ist. Gezahagn hatte bei den Paralympics sowohl 2021 als auch 2024 die Goldmedaille über 1.500 m in ihrer Wettkampf-Klasse gewonnen. Tigist Gezahagn ließ in einem spannenden Duell in der Schlussphase ihre Landsfrau Haftamnesh Tesfaye hinter sich, die in ihrem Marathon-Comeback als Zweite ihre sieben Jahre persönliche Bestzeit von 2:20:18 einstellte. Dritte wurde die Kenianerin Hellen Chepkorir in 2:23:48.

 

Bereits kurz nach dem Start hatten sich Tigist Gezahagn und Haftamnesh Tesfaye hinter einem Tempomacher laufend von ihren Konkurrentinnen abgesetzt. Als das äthiopische Duo die 10-km-Marke nach 33:30 Minuten passierte, lagen sie bereits 39 Sekunden vor den Verfolgerinnen. In der Folge erhöhten die Äthiopierinnen das Tempo, so dass der Abstand wuchs und eine Verbesserung des Streckenrekordes, den die Kenianerin Vibian Chepkirui mit 2:20:59 vor vier Jahren aufgestellte hatte, immer wahrscheinlicher wurde. 

 

 

Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 70:24 gab es einen Schreck-Moment für Tesfaye, die nach einer Babypause ihren ersten Marathon seit 2020 lief, als sie kurz vor der 30-km-Marke an einer Wende Gezahagn am Fuß touchierte und stürzte. Doch sie stand sofort wieder auf und schloss die Lücke schnell. „Bei etwa 41 km dachte ich, ich sollte jetzt das Tempo erhöhen“, sagte Tigist Gezahagn, die daraufhin einen kleinen Vorsprung auf Tesfaye herauslief. Dieser vergrößerte sich entscheidend auf den letzten 500 Metern. „Das ist ein riesiger Sieg für mich, die Atmosphäre entlang der Strecke war großartig. Die warmen Temperaturen haben mich nicht gestört, aber es war etwas windig“, sagte Tigist Gezahagn. „Meine größte Leistung ist für mich nach wie vor der erste Paralympis-Sieg, denn es war auch die erste Goldmedaille überhaupt für Äthiopien bei diesen Spielen. Aber heute den Marathon gewonnen zu haben, das ist auch ein großer Erfolg“, sagte Tigist Gezahagn, die im vergangenen Jahr als Fünfte in Sevilla mit 2:24:25 ein gutes Debüt gelaufen war. Nach Siegen in Ljubljana (2:22:47) im Herbst und Doha im Januar (2:21:14) lief sie in Wien nicht nur zum dritten Marathon-Sieg in Folge sondern auch zur dritten persönlichen Bestzeit in Serie. „Ich habe noch nicht entschieden, ob ich wieder im paralympischen Bereich an den Start gehen werde“, sagte Tigist Gezahagn, die aber offenbar mehr dazu tendiert, auch in der Zukunft bei großen Marathonrennen an den Start zu gehen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich derart erfolgreich sein könnte. Aber durch das Training mit den nicht-behinderten Athletinnen habe ich eine bessere Form aufbauen können,“ sagte Tigist Gezahagn „Natürlich wäre es ein Traum, bei Olympischen Spielen starten zu können. Aber bei dem extrem hohen Niveau in Äthiopien ist das natürlich schwierig.“

 

 

Im Männerrennen gab es eine Überraschung. Bei Kilometer 28 setzte sich der Kenianer Fanny Kiprotich, der der Außenseiter in einer vierköpfigen Führungsgruppe lief, an die Spitze. Nur der favorisierte Oqbe Kibrom (Eritrea) konnte die Lücke schließen, und die beiden passierten die 30-km-Marke nach 1:30:14 Stunden. Als Kiprotich etwa zehn Kilometer vor dem Ziel nochmals auf das Tempo drückte, baute er einen entscheidenden Vorsprung auf. „Ich war zuversichtlich, weil ich gut vorbereitet war. Mein Training war sehr gut. Ich hoffe, mich bei meinem nächsten Rennen wieder deutlich zu verbessern“, sagte der 24-jährige Kiprotich, der im internationalen Straßenlauf noch ein Newcomer ist. Der Kenianer war zuvor erst einen Marathon gelaufen: Er gewann letztes Jahr in Tallinn mit 2:11:21. Andreas Vojta war mit 2:15:07 als Neunter der schnellste österreichische Läufer, während Eva Wutti die schnellste nationale Läuferin war. Sie belegte mit 2:42:37 den 10. Platz. Für die österreichischen Zuschauer, die auf einen neuen Landesrekord gehofft hatten, hatte es schon früh im Rennen eine große Enttäuschung gegeben. Aaron Gruen, der im vergangenen Jahr in den USA überraschend mit 2:09:53 eine Bestzeit für Österreich aufgestellt hatte und um den an den Tagen vor dem Rennen in Wien durchaus ein Hype entstanden war, blieb plötzlich stehen und gab noch vor der Halbmarathon-Marke auf.

 

 

Ergebnisse, Männer:

1. Fanny Kiprotich KEN 2:06:53

2. Oqbe Kibrom ERI 2:08:10

3. Charles Mneria KEN 2:08:42

4. Samwel Kiptoo KEN 2:09:03

5. Simon Mwangi KEN 2:09:05

6. Tafese Delegen ETH 2:09:55

7. Mica Cheserek KEN 2:12:15

8. Adam Lomb HUN 2:12:48

 

 

Frauen:

1. Tigist Gezahagn ETH 2:20:06

2. Haftamnesh Tesfaye ETH 2:20:18

3. Hellen Chepkorir KEN 2:23:48

4. Faith Chepkoech KEN 2:28:10

5. Tegest Ymer ETH 2:28:15

6. Mary Granja ECU 2:28:29

7. Lindsay Flanagan USA 2:28:34

8. Vaida Zusinaite LTU 2:35:29

 

 

Text: Jörg Wenig

Tigist Gezahagn gewann ihren dritten Marathon in Folge. Foto: VCM / Jenia Symonds