24. September 2026 | AllgemeinMarathon-News

Tigst Assefa und Esther Pfeiffer auf Rekordjagd beim Berlin-Marathon

Kann Tigst Assefa den BMW Berlin-Marathon ein weiteres Mal krönen? Die äthiopische Ausnahmeläuferin will sich am Sonntag den Weltrekord zurückholen. Vor drei Jahren hatte sie in Berlin die Marke mit einer Zeit von 2:11:53 Stunden in neue Dimensionen geschoben. Doch in der Zwischenzeit steht die globale Bestzeit bei 2:09:56. Während Tigst Assefa die 2:10:00-Stunden-Barriere durchbrechen möchte, will Esther Pfeiffer versuchen, unter 2:20:00 zu laufen und den deutschen Rekord anzugreifen. Diesen hatte Irina Mikitenko 2008 in Berlin mit 2:19:19 aufgestellt.

 

13 Weltrekorde wurden in der Geschichte des spektakulärsten deutschen Straßenlaufes bisher aufgestellt. Dies ist ein Rekord für sich, denn bei keinem anderen Marathon weltweit wurden derart viele globale Bestzeiten gebrochen. Tigst Assefa will nun Rekord Nummer 14 hinzufügen. Bei der Pressekonferenz hielt sich die 29-Jährige jedoch zurück. Als das Wort „world record“ fiel, lächelte Tigst Assefa freudig, auf Amharisch antwortete sie dann mit Hilfe des Übersetzers: „Ich freue mich sehr, wieder auf der schnellen Strecke in Berlin laufen zu können und hoffe, dass ich meine Erfolgsgeschichte hier am Sonntag fortsetzen kann. Ich bin sehr gut vorbereitet und will meine Bestzeit unterbieten.“ Ihr persönlicher Rekord steht weiterhin bei 2:11:53 und ist nach wie vor auch der Berliner Streckenrekord. Mit dieser Zeit hätte sie übrigens in den 70er und 80er Jahren die ersten elf Ausgaben des Berlin-Marathons gewonnen – so stark ist die Entwicklung in der Frauen-Weltspitze.

 

Tigst Assefa trifft in Berlin unter anderen auf die Titelverteidigerin Rosemary Wanjiru. Die Kenianerin wird aber ein Weltrekordtempo nicht mitlaufen. Für sie geht es darum, ihre Bestzeit von 2:16:14 möglichst auf eine Zeit von unter 2:15:00 zu drücken. In einen solchen Bereich wollen auch die Äthiopierinnen Bedatu Hirpa (Bestzeit: 2:18:27), Dera Dida (2:18:32) und Zeineba Yimer (2:18:47). Dida ist die Frau des Marathon-Olympiasiegers Tamirat Tola und eine Trainingspartnerin von Tigst Assefa. „Ich denke, wir werden in Berlin gute Leistungen zeigen“, sagte Dera Dida.

 

Die dritte Frauen-Gruppe im Rennen wird ein Tempo laufen, das auf eine Zielzeit von unter 2:20:00  hinausläuft. Eine solche Zeit strebt neben der finnischen Europameisterin Alisa Vainio (2:20:39), die trotz des kurzen Zeitabstandes zum EM-Rennen in Birmingham vom 16. August in Berlin startet, auch Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) an. „Ich werde ein Tempo einschlagen, das auf den deutschen Rekord hinausläuft. Das ist mein großes Ziel und die Jagd soll am Sonntag beginnen“, sagte die 29-Jährige, die bisher erst einen Marathon gelaufen ist: 2023 gewann sie in Köln in 2:37:00 und sicherte sich in einem Rennen ohne besondere Konkurrenz auch den deutschen Meistertitel. Seitdem hat sich die Ehefrau des deutschen Top-Marathonläufers Hendrik Pfeiffer, der am Sonntag ihr Tempomacher sein wird, auf den kürzeren Distanzen stark verbessert. Zuletzt lief sie beim Halbmarathon in Berlin im März 67:25 Minuten und danach steigerte sie sich über 10 km auf 30:45. „Ich denke, ich habe eine gute Ausgangsposition für den Marathon“, sagte Esther Pfeiffer. Ihre Halbmarathon-Leistung deutet darauf hin, dass sie sich über die 42,195 km um rund eine Viertelstunde verbessern kann. „Es ist schon sehr mutig, in diesem Rennen gleich den deutschen Rekord angreifen. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn Esther es schafft“, sagte Berlins Race-Direktor Mark Milde.

 

Der deutsche Rekord von Irina Mikitenko – 2:19:19 in Berlin 2008 – steht jetzt seit 18 Jahren. Das ist wesentlich länger als jeder andere deutsche Frauen-Rekord über die Marathondistanz. Die deutschen Frauen haben eindeutig einen Nachholbedarf. Trotz der enormen Entwicklungen im Bereich der Laufschuhe und der Verpflegungsmöglichkeiten während des Rennens haben sie sich in der absoluten Spitze im Gegensatz zu den Männern kaum entwickelt.

 

Ebenso wie Alisa Vainio wagt auch Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) den Start bei einem zweiten Marathon nur sechs Wochen nach dem EM-Rennen. In Birmingham erreichte die 34-Jährige, die eine Bestzeit von 2:24:32 aufweist, als beste deutsche Läuferin Platz 16. Mit Kristina Hendel (Marathon Team Berlin/2:27:29) startet eine Athletin, die über Jahren hinweg immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Eine Newcomerin ist Anna Langerwisch (Marathon Team Berlin/2:32:13). Der 25-Jährigen gelang der Sprung aus dem Hobbybereich in den Leistungssport. Sie könnte sich am Sonntag auf eine Zeit von unter 2:30:00 verbessern.

 

Insgesamt ist das Berliner Elitefeld der Frauen sehr stark besetzt. Sieben Läuferinnen stehen auf der Startliste mit Bestzeiten von unter 2:20:00 Stunden – mehr waren es noch nie. Die Rekordzahl von 13 Athletinnen weist persönliche Rekorde von unter 2:22:00 auf.

 

Eliteläuferinnen mit persönlichen Bestzeiten:

 

Tigst Assefa                     ETH   2:11:53

Rosemary Wanjiru            KEN   2:16:14

Bedatu Hirpa                    ETH   2:18:27

Dera Dida                        ETH   2:18:32

Zeineba Yimer                  ETH   2:18:47

Misgane Alemayehu         ETH   2:19:08

Bekelech Gudeta              ETH   2:19:39

Evaline Chirchir                KEN   2:20:33

Alisa Vainio                      FIN     2:20:39

Deshun Zhang                  CHN   2:20:53

Eebbisee Addunyaa                    ETH   2:21:13

Aminet Ahmed                  ETH   2:21:24

Rika Kaseda                     JPN    2:21:55

Mao Uesugi                      JPN    2:22:11

Pascaline Jelagat             KEN   2:22:44

Manon Trapp                    FRA   2:23:38

Natsuki Omori                  JPN    2:23:45

Fatima Gardadi                MAR   2:24:06

Laura Hottenrott               GER   2:24:32

Kristina Hendel                 GER   2:27:29

Anna Langerwisch            GER   2:32:13

Thea Heim                       GER   2:33:25

Esther Pfeiffer                  GER   2:37:00

 

Text: Jörg Wenig

Fotos: SCC EVENTS/Petko Beier, Victah Sailer

Esther und Hendrik Pfeiffer bei der Pressekonferenz in Berlin. Foto: Victah Sailer