John Korir hat mit einem beeindruckenden Rennen zum zweiten Mal in Folge den Boston-Marathon gewonnen. Der 29-jährige Kenianer brach bei günstigen Wetterbedingungen mit 2:01:52 Stunden den 15 Jahre alten Streckenrekord seines Landsmannes Geoffrey Mutai, der 2011 mit 2:03:02 gewonnen hatte. Die Zeit von John Korir ist die siebtschnellste je gelaufene über die 42,195 km und die schnellste in diesem Jahr. Allerdings erfüllt die abfallende, hügelige Punkt-zu-Punkt-Strecke in Boston nicht die nötigen Voraussetzungen für die Anerkennung von Rekorden, so dass die Zeiten auch nicht eingang in die offiziellen Bestenlisten finden. Auch als Jahresweltbestzeit zählt das Ergebnis von John Korir nicht. Zweiter wurde der Weltmeister Alphonce Simbu (Tansania) in 2:02:47, als Dritter lief Benson Kipruto (Kenia) 2:02:50. Zum ersten Mal blieben in einem Marathon drei Läufer unter 2:03:00 Stunden.
Ein hervorragendes Rennen zeigte Richard Ringer (LC Rehlingen), der auf Platz acht nach 2:04:47 ins Ziel lief und seine persönliche Bestzeit damit um 59 Sekunden steigerte. Dies ist die zweitschnellste je gelaufene Zeit eines deutschen Athleten, aber auch in den nationalen Bestenlisten können die Boston-Marathon-Ergebnisse nicht berücksichtigt werden. Der achte Platz von Richard Ringer ist ein geschichtsträchtiges Resultat, denn es ist fast 100 Jahre her, dass zuletzt ein deutscher Läufer im Männerrennen des Boston-Marathons eine Top-10-Platzierung erreichte: 1932 gewann Paul De Bruyn mit 2:33:36 Stunden das Rennen. Ein Jahr zuvor war De Bruyn in Boston Achter. Weitere deutsche Top-Ten-Platzierungen finden sich in der Geschichte des Klassikers, der am Montag zum 130. Mal stattfand, nicht. Auf Platz 17 erreichte auch Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) mit 2:06:34 eine persönliche Bestzeit. Er verbesserte sich um elf Sekunden.
Auch bei den Frauen setzte sich die Vorjahressiegerin erneut durch: Die Kenianerin Sharon Lokedi gewann den Klassiker in 2:18:51. Vor einem Jahr hatte sie den Streckenrekord auf 2:17:22 verbessert. Zehn Kilometer vor dem Ziel liefen noch neun Athletinnen an der Spitze. Kurz danach setzte sich Sharon Lokedi an die Spitze und forcierte das Tempo, so dass eine Konkurrentin nach der anderen zurückfiel. Bereits bei Kilometer 35 lief die Titelverteidigerin alleine an der Spitze und gewann schließlich mit deutlichem Vorsprung. Auf den Plätzen zwei und drei folgten ihre Landsfrauen Loice Chemnung und Mary Ngugi-Cooper in 2:19:35 beziehungsweise 2:20:07. Im Gegensatz zu den Männern konnten die Frauen die günstigen Wetterbedingungen mit kühlen Temperaturen und einem leichten Rückenwind auf der Strecke nicht für superschnelle Zeiten nutzen.
Zum ersten Mal nach 1995 war es sowohl dem Vorjahressieger als auch der Vorjahressiegerin gelungen, den Titel in Boston zu verteidigen. Damals gewann der Kenianer Comas Ndeti zum dritten Mal in Serie und die Berlinerin Uta Pippig feierte ihren zweiten von drei Boston-Triumphen in Folge.
Im Rennen der Männer war es zunächst überraschend Hendrik Pfeiffer, der an der Spitze immer wieder für das Tempo und damit für eine sehr schnelle Anfangsphase sorgte. Mit einer 10-km-Zwischenzeit von 29:02 lief er auf dem im ersten Teil leicht abwärts führenden Kurs ein 2:02:30-Stunden-Tempo. Das war natürlich viel zu schnell, doch Hendrik Pfeiffer blieb bis ungefähr Kilometer 20 vorne. Meist gehen derartige Experimente, die manche Läufer in der Vergangenheit wohl bewusst nur aus Publicity-Gründen machten, richtig schief. Doch Hendrik Pfeiffer hielt sich beachtlich, nachdem er vor der Halbmarathon-Marke (61:55) überholt worden war. Mit Platz 17 blieb er im Rahmen der Erwartungen und eine persönliche Bestzeit in Boston ist natürlich etwas besonderes.
Richard Ringer sortierte sich in der ersten großen Gruppe mit den Favoriten ein. Lange Zeit hielt er sehr gut mit. Nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 61:56 kam Bewegung in das Feld. Zunächst setzte sich der Äthiopier Milkesa Mengesha etwas ab, dahinter formierte sich dann kurz vor Kilometer 30 eine fünfköpfige Gruppe, die von John Korir angeführt wurde und in der auch der Weltmeister Alphonce Simbu lief. Richard Ringer konnte hier den Anschluss in der hügeligen Passage nicht mehr ganz halten, lief aber in der zweiten Gruppe.
Ausgerechnet auf dem berüchtigten Anstieg zum Heartbreak Hill gut zehn Kilometer vor dem Ziel startete Titelverteidiger John Korir dann seine Aufholjagd. Er stürmte den Hügel hinauf, holte einen Rückstand von zwölf Sekunden auf, überholte Milkesa Mengesha und hatte nach dem Anstieg bereits einen Vorsprung von sieben Sekunden. Fortan lief John Korir ungefährdet zu seinem zweiten Boston-Triumph.
„Ich habe mich die ganze Zeit über gut gefühlt im Rennen. Aber irgendwann konnte ich in den Hügeln einfach nicht mehr schneller laufen und musste einige Athleten ziehen lassen. Das Bergauflaufen hat dann schon wehgetan, dagegen lief es bergab richtig gut“, sagte Richard Ringer, der zwischen Kilometer 30 und 35 auf Rang zehn lief und dann am Ende noch zwei Plätze gutmachte. „Wenn man 2:04 Stunden läuft und dann ‚nur‘ Achter wird, zeigt das, dass die Konkurrenz einfach wahnsinnig stark war. Es waren sehr gute Bedingungen und das Rennen war brutal schnell. Wenn vorne 2:02 Stunden gelaufen werden, dann sind diese Athleten noch ein Stückchen besser als ich – das muss ich akzeptieren. Ich habe einige starke Athleten hinter mir gelassen und bin stolz auf mein Rennen. Die Anfeuerung der Zuschauer war einfach unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Richard Ringer, der sich nun auf den EM-Marathon im August in Birmingham vorbereiten wird, wo die Strecke offenbar auch sehr hügelig sein wird. Als bester Europäer in Boston hat Richard Ringer gezeigt, dass mit ihm in England zu rechnen ist.
Ergebnisse, Männer:
1. John Korir KEN 2:01:52
2. Alphonce Simbu TAN 2:02:47
3. Benson Kipruto KEN 2:02:50
4. Hailemaryam Kiros ETH 2:03:42
5. Zouhair Talbi USA 2:03:45
6. Tebello Ramakongoana LES 2:04:18
7. Charles Hicks USA 2:04:35
8. Richard Ringer GER 2:04:47
9. Alex Masai KEN 2:05:32
10. Milkesa Mengesha ETH 2:05:35
Frauen:
1. Sharon Lokedi USA 2:18:51
2. Loice Chemnung KEN 2:19:35
3. Mary Ngugi-Cooper KEN 2:20:07
4. Mercy Chelangat KEN 2:20:30
5. Jess McClain USA 2:20:49
6. Irine Cheptai KEN 2:20:54
7. Workenesh Edesa ETH 2:21:52
8. Annie Frisbie USA 2:22:00
9. Emily Sisson USA 2:22:39
10. Carrie Ellwood USA 2:22:53
Text: Jörg Wenig
