Mit dem Vienna City Marathon steht das zweite Rennen der European Marathon Classics am kommenden Wochenende an. Das Starterfeld verspricht ein hochklassiges Rennen.
Die Favoriten des Vienna City Marathons peilen am Sonntag die Streckenrekorde an und könnten dann zugleich auch zwei Marathon-Zeitbarrieren durchbrechen: Während der schnellste Läufer auf der Startliste, Oqbe Kibrom (Eritrea), seinen persönlichen Rekord auf unter 2:05:00 Stunden verbessern möchte, soll die Spitzengruppe der Frauen ein Tempo einschlagen, das zu einer ersten Zeit von unter 2:20:00 auf österreichischem Boden führen kann. Den Streckenrekord bei den Männern hält der Kenianer Samwel Mailu, der in Wien 2023 in 2:05:08 triumphierte. Die Kursbestzeit bei den Frauen lief seine Landsfrau Vibian Chepkirui vor vier Jahren mit 2:20:59.
Dass es beim Vienna City Marathon bisher noch keine Frauen-Zeit unter 2:20:00 gab, hing auch mit ungünstigen Wetterbedingungen zusammen. Am Sonntag könnte das Wetter geeignet sein für eine solche Zeit und die Veranstalter gehen davon aus, dass sie die entsprechenden Läuferinnen am Start haben. Drei Athletinnen wollen voraussichtlich das Tempo für eine Zeit unter 2:20 mitlaufen: Neben der Titelverteidigerin Betty Chepkemoi (Kenia) sind dies die beiden Äthiopierinnen Haftamnesh Tesfaye und Tigist Gezahagn.
„Mein Sieg im vergangenen Jahr hat mein Leben verändert. Es war mein zweiter Marathon, ich gewann und verbesserte mich dabei gleich um zehn Minuten“, sagte Betty Chepkemoi, die vor einem Jahr trotz Eiseskälte 2:24:14 lief. Dies ist nach wie vor ihre Bestzeit. Chepkemoi weiß, dass sie sich wahrscheinlich deutlich steigern muss, um ihren Titel zu verteidigen. „Ich bin in besserer Form als vor einem Jahr.“
Haftamnesh Tesfaye ist mit ihrer acht Jahre alten Bestzeit von 2:20:13 die schnellste Läuferin auf der Startliste. Die Form der Äthiopierin ist jedoch nicht einschätzbar, da sie ihren letzten Marathon Anfang 2020 gelaufen ist. „Aufgrund der Pandemie gab es keine Rennen. Daher habe ich die Pause genutzt, um eine Familie zu gründen“, sagt die 31-jährige Tesfaye, die Mutter zweier Jungen ist. Sie ist die Schwester von Fotyen Tesfay, die im März in Barcelona mit 2:10:51 ein sensationelles Marathon-Debüt gelaufen ist. „Wir leben zusammen und machen das meiste Training zusammen. 2020 war ich noch schneller, jetzt ist es anders herum. Aber ich versuche aufzuholen“, sagte Haftamnesh Tesfaye.
Mit ihrer Siegzeit vom Doha-Marathon Anfang des Jahres (2:21:14) ist Tigist Gezahagn die Nummer zwei auf der Wiener Startliste. „Ich hoffe, dass ich mich weiter steigern kann“, sagte die Äthiopierin, die einen außergewöhnlichen Hintergrund hat: Sie ist die Paralympics-Siegerin über 1.500 m von 2021 und 2024. Sie hat eine starke Sehschwäche und kann Dinge nur unmittelbar vor ihr erkennen. „Ich wollte nicht mehr im paralympischen Sport starten und ein normales Leben führen“, sagte Tigist Gezahagn, die im Training von anderen Läuferinnen unterstützt wird.
Im Rennen der Männer bleibt abzuwarten, wer gegebenenfalls dem voraussichtlich schnellen Tempo von Oqbe Kibrom folgen wird. „Ich würde die erste Hälfte gerne in 62:10 bis 62:20 laufen, um dann eine Zeit von unter 2:05 erreichen zu können“, sagte der 28-Jährige, der mit einer Bestzeit von 2:05:37 die Startliste anführt und noch zwei weitere Male unter 2:06 gelaufen ist. Tafese Delegen (Äthiopien/Bestzeit: 2:06:11) und Stanley Kurgat (Kenia/2:07:05) sind seine voraussichtlich stärksten Konkurrenten. Oqbe Kibrom sah beim Vienna City Marathon schon einmal wie der sichere Sieger aus. Doch 2022 hatte er sich bei einer Tempoverschärfung übernommen und brach ein. „Bei Kilometer 38 bin ich gestorben“, erinnert sich Kibrom, der damals am Ende Dritter wurde. „Ich bin sehr dankbar für die zweite Chance, die ich beim Vienna City Marathon bekomme.“
Eine sehr gute Platzierung ist Aaron Gruen zuzutrauen. Der Österreicher, der vor rund einem Jahr den nationalen Rekord auf 2:09:53 verbesserte und damit als erster nationaler Läufer eine Zeit unter 2:10:00 erreichte, will sich in Wien weiter verbessern.
Eliteläufer mit persönlichen Bestzeiten
MÄNNER:
Oqbe Kibrom ERI 2:05:37
Tafese Delegen ETH 2:06:11
Stanley Kurgat KEN 2:07:05
Albert Kangogo KEN 2:07:26
Charles Mneria KEN 2:08:54
Mica Cheserek KEN 2:09:26
Samwel Kiptoo KEN 2:09:45
Aaron Gruen AUT 2:09:53
Paul Tiongik KEN 2:10:25
Abel Sikowo UGA 2:10:33
Mogos Tuemay ETH 2:10:33
FRAUEN:
Haftamnesh Tesfaye ETH 2:20:13
Tigist Gezahagn ETH 2:21:14
Lindsay Flanagan USA 2:23:31
Betty Chepkemoi KEN 2:24:14
Mary Granja ECU 2:26:34
Hellen Chepkorir KEN 2:27:17
Faith Chepkoech KEN 2:26:22
Tegest Ymer ETH 2:29:11
Caroline Korir KEN 2:29:46
Abigail Jepkemboi KEN 2:29:56
Eva Wutti AUT 2:30:43
Text: Jörg Wenig
