13. April 2026 | Running-News

Die große Show der Domenika Mayer in Hannover

Domenika Mayer lieferte beim ADAC Hannover-Marathon ihre eigene Show: Die konstanteste deutsche Marathonläuferin der letzten Jahre gewann das Rennen in 2:21:26 Stunden, pulverisierte ihren eigenen Streckenrekord sowie ihre persönliche Bestzeit, wurde zur zweitschnellsten deutschen Läuferin aller Zeiten und zur elftschnellsten Europäerin, verteidigte ein weiteres Mal ihren deutschen Meistertitel, schaffte mit drei Siegen in Folge einen „Hattrick“ in Hannover und wurde mit insgesamt nunmehr vier Siegen zur alleinigen Rekord-Gewinnerin des Rennens. 

 

Bei den Männern siegte der Kenianer Maru Thomas Kibet in 2:07:53 während Tom Thurley als Sechster mit einer persönlichen Bestzeit von 2:11:02 zu seinem ersten deutschen Meistertitel lief.

 

Das erwartete Duell zwischen Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) und Fabienne Königstein (Hannover 96) fand in Hannover nicht statt. Es war genau umgekehrt wie in Berlin im vergangenen September. Damals lief Königstein vorneweg zu einer Bestzeit von 2:22:17 während Mayer sich nach Problemen in der Vorbereitung zwar auf 2:23:16 verbesserte, jedoch einen deutlichen Rückstand hatte. Im Vorfeld des Rennens in Hannover war es Fabienne Königstein, die nach Verletzungsproblemen nicht optimal vorbereitet war und mit ihrer nationalen Konkurrentin dann nicht mithalten konnte. 

 

Vom Start weg setzte sich Domenika Mayer an die Spitze und baute den Vorsprung immer weiter aus. Mit einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 70:31 lag die 35-Jährige bereits eine knappe Minute vor Fabienne Königstein (71:25), die ihr erstes Rennen seit dem Berlin-Marathon lief. In der Schlussphase konnte Königstein ihr Tempo nicht mehr halten und verlor weitere Zeit. „Aber angesichts der kurzen Vorbereitungszeit bin ich zufrieden mit meinem Rennen. Domenika war heute sehr stark“, sagte Fabienne Königstein, die als Zweite nach 2:24:31 im Ziel war. Mit deutlichem Abstand belegte Almaz Negede (Äthiopien) Rang drei in 2:30:25. „Ich hatte keinerlei Probleme mehr nach der Verletzung – das ist prima“, sagte Fabienne Königstein. Während Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) das Rennen nach der 30-km-Marke aufgab, lief Katharina Saathoff (Braunschweiger LC) als Fünfte nach 2:30:51 ins Ziel und belegte damit in der nationalen Meisterschaft Platz drei.

 

„Ich bin super zufrieden. Am Anfang war das Tempo ein bisschen zu schnell, dafür büßt man dann hinten raus“, sagte Domenika Mayer, die auf den letzten Kilometern auch etwas Zeit verlor. Aber mit 2:21:26 verbesserte sie sich um fast zwei Minuten und steigerte bei ihrem vierten Hannover-Sieg nach 2022, 2024 und 2025 ihren vor zwei Jahren aufgestellten Kursrekord (2:23:50) um fast zweieinhalb Minuten. In der europäischen Jahresbestenliste steht sie derzeit auf Platz zwei. In der deutschen Alltime-Liste ist nur noch Irina Mikitenko (2:19:19) vor ihr. Die 2:20-Barriere könnte ein nächstes Ziel sein für Domenika Mayer. „Es geht noch mehr, die Marke habe ich im Blick. Ich versuche immer schneller zu laufen und zu sehen, was möglich ist. Denn meine Zeit ist ja begrenzt – ich bin nicht mehr 25“, sagte Domenika Mayer.

 

Bei den Männern gab es auf den letzten Kilometern im Kampf um den Sieg noch eine dramatische Wende. Nach einem Alleingang gingen Godwin Katakura (Simbabwe) die Kräfte aus. Sein deutlicher Vorsprung schmolz und gut zwei Kilometer vor dem Ziel überholte ihn Maru Thomas Kibet. Der Kenianer gewann in 2:07:53 vor Katakura (2:08:46) und dem Äthiopier Asnake Dubre (2:10:22). „Ich hatte nicht erwartet, dass ich noch gewinnen könnte und hatte mich schon mit Platz zwei abgefunden. Das ist eine große PB für mich. In der Zukunft möchte ich 2:03 Stunden laufen“, sagte Maru Thomas Kibet, der mit einer Bestzeit von 2:13:48 an den Start gegangen war. 

 

Nachdem Filimon Abraham (LG Telis Finanz Regensburg) verletzungsbedingt passen musste und Johannes Motschmann (SCC Berlin) nach rund 25 km mit Problemen an der Leiste, unter denen er schon im Vorfeld litt, ausgestiegen war, war der Weg frei für Tom Thurley. Der 32-jährige Halbprofi setzte sich bald darauf von Erik Hille (Munich Athletics) ab und gewann das Rennen um den nationalen Titel dann in 2:11:02 deutlich. „Ich hatte gehofft, dass es klappen könnte – aber ein Marathon ist lang, man weiß nie was passiert. Ich bin super zufrieden“, sagte Tom Thurley, der sich um 17 Sekunden verbesserte. „Mein Ziel ist es, eine Zeit unter 2:10:00 zu erreichen. Wenn ich die Chance bekommen würde, im Sommer bei der EM im deutschen Team zu starten, würde ich das natürlich machen.“ Erik Hille war als Achter in 2:12:21 zweitbester deutscher Läufer. Rang drei in der nationalen Wertung und Platz zehn in der Gesamtwertung belegte Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) mit 2:16:38.

 

Ergebnisse, Männer:

1. Maru Thomas Kibet KEN 2:07:53

2. Godwin Katakura ZIM 2:08:46

3. Asnake Dubre ETH 2:10:22

4. Christopher Kitetu KEN 2:10:45

5. Archie Casteel SWE 2:10:56

6. Tom Thurley GER 2:11:02

 

Frauen:

1. Domenika Mayer GER 2:21:26

2. Fabienne Königstein GER 2:24:31

3. Almaz Negede ETH 2:30:25

4. Cecilia Wayua KEN 2:30:36

5. Katharina Saathoff GER 2:30:51

6. Mercy Kipkemoi KEN 2:31:48

 

Text: Jörg Wenig

Fotos: Norbert Wilhelmi

Domenika Mayer feierte einen großen Sieg in Hannover. Foto: Norbert Wilhelmi